Achtung: Nebenwirkung von Euphoria

Neben all den Artikeln, die ich so schreibe, scheint mir dieser hier besonders bedeutungsvoll und wichtig zu sein. Denn hier geht es einmal nicht um Dinge, die wir tun können, um uns und unser Leben zu verändern, sondern um etwas, das passieren kann, während wir all diese Dinge tun. Es geht um etwas, das auch mir passiert ist und worauf ich hinweisen will und muss. Denn ich kann mir vorstellen, dass damit ein paar Schwierigkeiten auftreten können – so, wie es auch bei mir gewesen ist. Ich war nicht vorbereitet darauf und es hat mich getroffen wie ein Donnerschlag. Deshalb möchte ich davon erzählen, damit ihr – falls es bei euch passiert – vorbereitet seid.

Es geht um den berühmten Ego-Tod. Ich schreibe diesen Artikel, weil durch das Euphoria-Spiel das Ego abhanden kommen kann. Damit möchte ich „Euphoria“ nicht als ultimative Methode dafür anpreisen. (Viele haben ja gerade das als Ziel: Das Ego auszulöschen. Und das ist auch vollkommen okay, da ja das Ego für so viel Leid verantwortlich ist.) Aber Euphoria war ursprünglich nicht dazu gedacht. Und ich hatte auch nie darüber nachgedacht, dass so etwas passieren kann. Euphoria war und ist eine Lebenseinstellung, die glücklich macht. Das Spiel ist zum Glücklichsein da, zu nichts Anderem. Man kann es einsetzen, um sich eine glückliche Realität zu erschaffen, Glaubenssätze umzuprogrammieren, alte Denkgewohnheiten zu ändern usw. Und es funktioniert am besten, wenn keine Absicht damit verfolgt wird. Es einzusetzen, um das Ego auszulöschen, war und ist für mich undenkbar. Vor allem deswegen, weil ich das Ego nie als einen Feind betrachtet habe und ich nicht nachvollziehen konnte, warum man es „vernichten“ musste.

Aber: Es kann passieren. Es kann sterben. Einfach so. Auf einmal ist es weg. Und diese Tatsache verändert einfach ALLES. Ob das Ego durch das Spiel der Götter stirbt – das kann ich nicht 100%ig sagen. Aber ich gehe mal davon aus, dass Euphoria – aus mehreren Gründen (dazu unten mehr) – massiv dazu beiträgt. Und somit wäre der Ego-Tod eine Nebenwirkung, auf die ich hinweisen muss. Nicht weil diese Tatsache das Spiel noch toller und interessanter macht, sondern weil das wirklich einige Probleme mit sich bringen kann. Das ist kein Spaziergang, so wie sich das viele immer vorstellen. Es stellt sich in den wenigsten Fällen sofort der totale Frieden und eine allumfassende Glückseligkeit ein. Es ist ein Prozess, den man erst mal durchlaufen muss. Und dieser Prozess kann sehr schwer werden, denn in unserer heutigen Zeit ohne Ego zurechtzukommen ist eine ziemliche Herausforderung. Vor allem deswegen, weil man ständig, immer und überall mit Ego-Konstrukten konfrontiert wird, in die man dann einfach nicht mehr „passt“.

Im Nachhinein betrachtet ist es eigentlich logisch, dass so etwas passieren kann. Denn, wenn man sich mal schlau liest, bedeutet die Freiheit vom Ego = Freiheit vom Leid. Es bedeutet Glücklichsein im Hier und Jetzt. Ohne Absichten, Ziele, Wünsche, ohne streben, wollen und sehnen. Und auch ohne Kampf gegen irgendetwas. Frieden eben. Und was tun wir bei Euphoria? Genau das! Keine Absichten, kein Kampf, Glücklichsein im Hier und Jetzt. Durch die Widerstandslosigkeit werden die Bewertungen aufgegeben, Polarität erlischt, Urteile werden substanzlos. Durch die Absichtslosigkeit gibt es kein Streben mehr nach Glück. Stattdessen wird das Glück im Hier und Jetzt erfahren. Einfach so. Grundlos.

Ja, irgendwie ist es logisch, dass dann die Maske des Egos brechen kann. Denn das Ego ist darauf aufgebaut zu urteilen, zu bewerten, Schuld zuzuweisen, zu kämpfen, zu kontrollieren, zu streben, zu wollen, zu wünschen, zu polarisieren, zu trennen … und dadurch zu leiden. Wenn all das unterlassen wird, ja dann verliert das Ego den Boden unter den Füßen. Es verliert den Halt, die Kontrolle. Die Maske bricht. Und irgendwann fällt sie. Was dann?

Natürlich ist die Freiheit vom Ego – wenn man diesen Zustand zulässt – ein Segen. Aber für mich war es erst mal das blanke Entsetzen. Mein Ego war nie besonders stark ausgeprägt gewesen, aber die Identifikation damit war trotzdem für mich das normalste von der Welt gewesen. So, wie es für jeden ist. Ich glaubte zu wissen, wer ich bin, kannte meine Charaktereigenschaften, meine Stärken, meine Fähigkeiten, meine Vorlieben, meine Leidenschaften. Und das alles war ich. Dachte ich. Doch dann passierte dieser Sprung. Ganz plötzlich. Und ohne Vorwarnung. Das Ding namens Ego sprang von mir ab, als würde es einen Köpper vom 10-Meter-Brett ins Nichts machen. Die Maske fiel runter und das Wesen, das vorher „ICH“ gewesen war, stand da wie vom Donner getroffen.

Es ist kaum zu beschreiben, was dann mit einem passiert. Aber was ich als Erfahrung in diesem Artikel unbedingt weitergeben möchte, ist: Solange das Ego noch irgendwie in greifbarer Nähe ist – und sei es nur als Erinnerung – wird der Verstand versuchen, es zurückzuholen. Mit aller Kraft. Wenn man nicht versteht, was da mit einem passiert und den Zustand nicht zulassen kann, weil er einem Angst macht, geht man erst mal durch die Hölle. Ich habe erst später erfahren, was da passiert ist. Und ich habe auch erst später erfahren, dass dieser Prozess sehr schwer werden kann und es besser ist, wenn man dabei Unterstützung hat. Die hatte ich aber nicht. Ich war damit ziemlich allein. Ich habe zwar irgendwann begriffen, dass die Identifikation mit dem Ego nun fort war, aber das änderte nichts an den Problemen, die damit auftraten.

Ich kann den ganzen Umfang dieser Erfahrung nicht in diesem einen Artikel schildern. Ich will aber deutlich machen, dass massive Probleme auftreten können und es unglaublich wichtig ist, sich nicht gegen den Zustand zu wehren. Der Widerstand gegen diese absolute Stille, die da eintritt, ist unvergleichbar schmerzhaft. Es ist kaum beschreibbar, wie anstrengend es für Geist und Körper ist, diesen Motor (Ego) wieder in Gang zu setzen – einen Motor, der so vollständig zum Stillstand gekommen ist und auch keinen Antriebsstoff mehr hat. Das ist, als würde man versuchen, aus der Luft eine Tonkugel zu pressen. Da ist einfach nichts, das in eine Form gebracht werden kann. Man wendet alle Kraft auf, die man hat, aber es ist aussichtslos. Zu versuchen, in diesen alten Modus zurückzukommen, verursacht unglaubliches Leid. Akzeptiert man aber diesen Zustand und lässt ihn einfach da sein, kehrt der totale Frieden ein.

„V – Der Weg“ ist ein Buch, in dem ich diese Erfahrung schildere. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass es noch viele andere Bücher gibt, die von diesem Zustand erzählen (der meistens eher nicht reibungslos verläuft). Eins dieser Bücher, die mir in dieser Zeit sehr geholfen haben, ist „Kollision mit der Unendlichkeit“ von Suzanne Segal. Sie beschreibt den Moment, in dem „es“ passiert ist, wie eine stille Explosion, in der ihre Identifikation mit dem „Ich“ sozusagen von ihr abgesprengt wurde. Danach folgten 10 Jahre Angstzustände, weil ihr Verstand versucht hat, diesen Zustand zu pathologisieren und das Ego zurückzuholen – was natürlich nicht möglich war. Erst, als sie festgestellt hat, dass da nichts Schlimmes mit ihr geschehen war, sondern etwas Gutes, konnte sie es annehmen. Und erst dann kehrte diese Glückseligkeit ein, von der alle in Bezug auf „Erleuchtung“ sprechen.

Ich möchte den Menschen mit diesem Artikel wirklich ans Herz legen, sich intensiv mit diesem Zustand zu befassen – vor allem mit der Schattenseite davon – damit sie vorbereitet sind, wenn es passiert. Denn man liest immer wieder, dass dieses „Erwachen“ mittlerweile keine Seltenheit mehr ist, sondern sehr oft passiert. Deshalb ist es unumgänglich, dass darüber berichtet wird. Und tatsächlich erscheinen auch immer mehr Bücher darüber. Es findet ein kollektives Erwachen statt – so wie in „One“. Wir steuern auf eine neue Welt zu („DiVine“), in der nicht mehr das Ego die Zügel in der Hand hat, sondern das Herz („Herz-Zeitalter“, wie Jona es nennt). Mit diesem Zustand umgehen zu lernen ist meiner Erfahrung nach sehr sehr wichtig, um unnötiges Leid zu vermeiden. Ich werde in meinem Blog noch verschiedene Bücher vorstellen, die dabei unterstützen können.

Wichtig ist, darauf vorbereitet zu sein, dass das Ego sich nicht einfach so von seinem Thron schubsen lässt. Es wird mit aller Macht versuchen, die Zügel wieder an sich zu reißen. Unser Verstand kann sehr kreativ werden, um Strategien zu entwickeln, damit wir uns wieder an unser Ego klammern. Zum Beispiel kann er, wenn er keinen anderen Weg findet, den Erleuchtungszustand nutzen, um das Ego zu stärken. Das sind dann jene „Erleuchtete“, die bewundert werden wollen und meinen, nur sie hätten die ultimative Wahrheit erkannt und alle müssten ihnen zuhören und folgen. Ein wirkliches Erwachen bedeutet jedoch, dass man erkennt, dass man absolut nichts mehr weiß. („Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ – Platon) Dieser Satz wird dann tatsächlich begriffen, so paradox er auch scheint. Jedes Wissen wird als Konzept erkannt und die eine absolute Wahrheit ist mit dem Verstand nicht mehr greifbar. Deshalb ist es so schwer, von diesem Zustand zu berichten. Gleichzeitig ist es aber notwendig, damit darüber nicht die totale Verwirrung herrscht.

Also – lange Rede, kurzer Sinn – mein Rat ist: Wenn diese „Nebenwirkung“ bei euch eintritt und plötzlich das Ego abspringt, dann erinnert euch an die erste Spielregel von Euphoria: Akzeptieren, akzeptieren, akzeptieren. Der Verstand wird vermutlich denken, dass er jetzt wahnsinnig wird oder dass irgendwas mit einem nicht stimmt. Doch gerade der Widerstand gegen diesen Zustand ist es, der daraus einen Höllentrip machen kann. Es dauert eine Zeit, bis sich dieser Zustand integriert hat und man gelernt hat, seinen Alltag damit zu bewältigen. Das liegt mitunter daran, dass jeder Antrieb zum Stillstand gekommen ist. Das Einzige, was einen dann noch zum Handeln bewegt, ist Liebe. („Liebe wird zur einzigen Antriebskraft für die Fortsetzung der physischen Existenz.“ David R. Hawkins) Und diese Tatsache macht das Leben in einer Welt, die noch vom Ego angetrieben wird, etwas schwierig. Deswegen ziehen sich viele Menschen, denen so etwas passiert, zurück.

Auch ich wollte mich zurückziehen. Und dieses Ereignis war auch der Grund für meinen Abschied vor ein paar Jahren und für das Aufgeben meines Namens (die Identifikation damit war/ist einfach weg). Ich denke, man muss einfach akzeptieren, dass dieser Zustand für den Verstand nicht begreifbar ist und ihn verwirrt. Alle Konzepte, die für ihn wahr und richtig gewesen sind, zerbrechen. Und man muss einen neuen Weg zu leben finden. Auf diesem Weg bin ich und auch viele viele andere Menschen. Ich hoffe, dass ich mit meinen Texten und Büchern ein wenig Unterstützung dabei bieten kann. Aber, wie ich immer beteuere: Alles, was ich sage, sind Erfahrungen und keine ultimativen Wahrheiten. Zieht euch das heraus, was für euch nützlich und hilfreich ist.

Namasté

 

www.euphoria-lane.de

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Susi sagt:

    Endlich weiß ich, wieso mein Leben jetzt die Hölle ist und scheinbar kein Stein mehr auf dem anderen sitzt! Ich erkenne mich nicht wieder. Als würde ich im Zeitlupentempo die ersten Gehversuche machen. Alles will neu definiert werden – geht aber irgendwie nicht. Mein Umfeld will, dass ich weiterhin normal bin und entsprechend agiere.. . Das bin ich aber nicht mehr. Es passt nicht mehr und eigentlich ist es auch nicht nehr wichtig für mich. Das versteht nur keiner und ich kann es deshalb nicht laut äußern. Das macht auch etwas einsam. Ich habe mich zurückgezogen. Hoffentlich lässt diese „Krankheit“ bald nach, denn ich will mich wieder gut fühlen können. Im Moment weiß ich nicht, ob ich Fell oder Fleisch bin…

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    1. ninanell sagt:

      Liebe Susi, es gibt eine Bezeichnung dafür. Google mal „Die dunkle Nacht der Seele“ oder „Spirituelle Krise“. Da wirst du fündig. Es geht vielen Menschen so und leider haben sie keine Ahnung, was mit ihnen los ist. Sie werden pathologisiert und als „nicht richtig“ abgestempelt, weil sie auf „normales“ Ego-Verhalten nicht mehr reagieren (können). Sie können die alte Ego-Rolle nicht mehr spielen und Definitionen verlieren völlig ihre Bedeutung. Dazu kommt, dass das Rest-Ego bzw. der Verstand harte Geschütze auffährt, um die alte Rolle wieder in Gang zu setzen. Vielleicht können wir im Forum mal ein Thema dazu eröffnen und darüber reden. Das ist glaube ich wichtig. Versuch den Zustand zu akzeptieren. Ich habe auch lange gebraucht, bis ich meinen Verstand dazu gekriegt habe, zu akzeptieren, dass diese alte Rolle nicht mehr zurück kommt. Und er zetert immer noch manchmal. Das kann ein ziemlich langwieriger Prozess sein.

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  2. Susi sagt:

    Danke, Nina. Das ist eine tolle Idee!
    Thread ist eröffnet: http://euphoria-dasspiel.forumieren.com/t569-nebenwirkungen-von-euphoria#15485

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  3. Floßmann Elisabeth sagt:

    Liebe Nina,
    der Beitrag hat „irgendetwas“ in mir tief berührt, was ich noch nicht richtig einordnen kann. Einiges wurde mir blitzartig klar, anderes
    ist noch zu „vage“. Aber der Artikel hat etwas in mir ausgelöst und
    verändert! Auf weitere Beiträge darüber freue ich mich. Ich
    werde auch deinen Rat befolgen und etwas nachforschen (auch im
    Forum).
    Viele liebe Grüße, Elisabeth

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